Antrag: Umstellung der Gemeinschaftsverpflegung

An das Landratsamt
Herrn Landrat Michael Fahmüller
84347 Pfarrkirchen

09.01.2020
Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur kommenden Kreistagssitzung

Sehr geehrter Herr Landrat,
um das Ziel der Bayerischen Staatsregierung «30 Prozent Bioanbau in Bayern» erfolgreich werden zu lassen, sollte auch der Landkreis das Einkaufsverhalten verändern.

Der Kreistag möge beschließen:

1)
Der Landkreis setzt sich das gemeinsame Ziel, innerhalb der kommenden 5 Jahre den gesamten Nahrungsmittelverbrauch in seinen Einrichtungen schrittweise auf «Regional und zu 30 Prozent auf Bio» umzustellen.
Dazu wird umgehend ein Konzept erstellt, das die einzelnen nötigen Schritte realistisch benennt. Inhalt muss auch ein Punktesystem sein für Ausschreibungen, damit die regionale konventionelle Biokartoffel aus Straubing der ägyptischen Biokartoffel vorgezogen werden kann.

2)
Der Landkreis verpflichtet seine Einrichtungen, bei Ausschreibungen regionalen Produkten den Vorzug zu geben. Auch Hausmeister der Schulen werden angehalten, nach diesem Grundsatz zu verfahren.

3)
Der Landkreis verpflichtet das Küchenpersonal der Kliniken umgehend, an einer Fortbildung teilzunehmen, um Regional und Bio nachhaltig für die Gemeinschaftsverpflegung einführen zu können.
Dazu wird eine Kooperation mit dem bayerischen Fachzentrum Ernährung / Gemeinschaftsverpflegung am AELF in Landshut angestrebt.

Begründung:

30 Prozent Bioanbau in Bayern – dieses Ziel vertritt auch die Bayerische Staatsregierung. Wer biologisch anbaut, braucht Abnehmer und hier ist auch der Landkreis gefragt.
Nur mit starken Partnern können Molkereien und Landwirte planen und nachhaltig umstellen.
Ein ähnlicher Antrag wurde bereits im Bezirk überfraktionell auf meine Initiative hin gefasst. Nun müssen die Landkreise nachziehen. Der Landkreis hat die Kraft, als Vorbild für Kommunen und Betriebe zu agieren.

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt bei Gastronomen und Gemeinschaftsverpflegern in Bayern zunehmend an Bedeutung. Ob für die Schul-, Kranken- oder Seniorenverpflegung, ob für Kindertagesstätten, Personalkantinen oder Cateringleistungen bei Veranstaltungen und Events – der öffentliche Sektor trägt Jahr für Jahr die Verantwortung für die Beschaffung großer Mengen von Mahlzeiten und Getränken. Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion sind ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft und wirken sich ebenfalls stark auf die Umwelt aus.
Die Verwendung von regionalen Lebensmitteln in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung ist eines der wirksamsten Instrumente, um die Landwirte in der Region zu fördern, die Ausweitung des Ökolandbaus voranzutreiben und natürlich die Menschen in den Genuss gesunder Lebensmittel zu bringen.

Das 2014 aktualisierte EU-Vergaberecht empfiehlt ausdrücklich, die Vergabe zur Unterstützung strategischer Ziele stärker zu nutzen und soziale, umweltbezogene und innovative Aspekte zu fördern.
Regionale und ökologische Produkte haben erhebliche Vorteile z.B. durch eine geringere Belastung von Böden und Wasser, mehr Klimaschutz und deutlich geringere Pestizidbelastungen. Das Zusammenspiel von Engagement, Beratung, Schulung und Vernetzung gilt als entscheidend für eine nachhaltige Umstellung der Nahrungsmittel in Großküchen.

Schwierigkeiten treten dort auf, wo keine Unterstützung vom Management kommt, und wo Skepsis oder Überforderung vorherrscht, weil Wissen und Übung fehlen.
Daher halten wir es für dringend notwendig, als ersten Schritt die Mitarbeiter durch Schulungen zu befähigen, Bestellungen, Gerichte und Angebote umzustellen. Hier ist es ein Segen, dass das Bayerische Fachzentrum für Ernährung / Gemeinschaftsverpflegung in Landshut angesiedelt ist.
Außerdem ist die Motivation ein entscheidender Faktor, deshalb sollte sich der Landkreis auch immer wieder öffentlich und intern zu «Regional» und «Bio» bekennen.
Mit dem Landesprogramm BioRegio 2020 will die Bayerische Staatsregierung die Erzeugung von Bio-Produkten in Bayern bis zum Jahr 2020 verdoppeln. Auch in der Gemeinschaftsverpflegung sollen die Nachfrage und der Einsatz ökologischer, möglichst regionaler Ware erhöht werden.
Der Landkreis tut diesen Schritt also genau zur richtigen Zeit.
Nehmen wir die Herausforderung an!


Mit freundlichen Grüßen
Mia Goller für die Fraktion Bündnis 90/die Grünen Rottal-Inn

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