Lockdown im Landkreis

Lockdown – und nun?

Dass es zum Lockdown kommt, war klar, angesichts der Zahlen, die im Landkreis gemessen werden.

Dass es zuerst und vor allem die Schulen und Kitas trifft, ist nicht nachzuvollziehen und geradezu grotesk.

Zum einen, weil die wenigen Erkenntnisse der letzten Monate gezeigt haben, dass Kindergartenkinder und Grundschüler*innen die geringste Ansteckungsquote haben und das Virus am wenigsten weitergeben.

Zum anderen, weil Bildungseinrichtungen sehr viel in Hygienemaßnahmen investiert haben und auf deren Umsetzung achten. Mundnasenschutz, Lüften, Social Distancing und darauf achten, dass nur kleine Gruppen von Kindern zusammenkommen – das alles wird umgesetzt, die Kinder ziehen das durch!

Diese Schließungen sind nicht nur nicht nachvollziehbar, sie sind auch das glatte Gegenteil von dem, was über die Sommermonate hinweg propagiert wurde.

Es wurde schon viel geschrieben darüber, dass solche Maßnahmen dramatische Auswirkungen auf die Bildung unserer Kinder haben. Nicht jeder kann zu Hause den digitalen Unterricht gewährleisten, sei es wegen passender Endgeräte in ausreichender Zahl, wegen technischer Hürden oder einfach, weil es der Internetanschluss nicht hergibt. Auf dem Land ist das durchaus ein Problem.

Dadurch wird die Schere zwischen guten und schlechten Schülern größer, dadurch werden einige noch weiter abgehängt und die, die durchs Raster fallen, vergessen. Wir dürfen gerade schwächere Kinder, die besondere Ansprache und Förderung benötigen, nicht verlieren! Nicht von allen Eltern kann verlangt werden, dass sie den/die Hilfslehrer*in geben.

Außerdem zeigen viele Studien, dass Lernen eben nicht nur das Aufnehmen von Informationen ist, sondern ein sozialer Prozess: der Lerneffekt ist größer im Miteinander der Klasse, durch Nachfragen der Lehrkraft, durch das Zusammenspiel der Gruppe.

Die Wirtschaft soll so wenig wie möglich in Mitleidenschaft gezogen werden.

Das ist richtig, aber gleichzeitig zu kurz gedacht. Wir leben in einer modernen Gesellschaft, oft sind beide Elternteile berufstätig – wenn die Kinder zuhause betreut werden sollen, können viele ihrer Tätigkeit nicht nachkommen. Diese Rechnung geht nicht auf! Es scheint, man hatte dabei im Hinterkopf, die Mamas könnten das schon richten. Aber wir leben in 2020, es reicht schon lange nicht mehr, dass eine*r in der Familie das Einkommen erwirtschaftet!

Abgesehen davon sind unsere Kinder die Arbeitskräfte von morgen – wenn wir ihnen die Bildung erschweren, dann haben wir alle das Nachsehen.

Uns ist klar, dass das Landratsamt im Moment hier wenig Spielraum hat – die Regeln sind klar, der Lockdown für die kommenden Tage besiegelt. Aber wir fordern mit Nachdruck, dass nach den Herbstferien der Unterricht und auch die Betreuung in Kitas wieder aufgenommen werden!

Generell vertreten wir die Ansicht, daß konstruktive Kritik möglich sein muss. Das Leugnen von COVID-19 oder das komplette Verweigern von Hygienemaßnahmen halten wir jedoch nicht für hilfreich.
Diese Krise betrifft uns alle, also hoit‘ ma zam und bleib‘ ma im Gespräch.

1 Kommentar

  1. Radauscher-Weidinger, Otto

    Da es nicht so aussieht, als wäre die Ansteckung das Problem, müsste man differenzieren. Nicht die Kinder sind das Problem, das überalterte und kränkelnde pädagogische Personal muss geschützt werden. Es könnte von zu Hause Lernplattformen bedienen. Die Jungen übernehmen die Präsenz. Die Kinder bräuchten keine Masken.
    Entsprechend wäre in den Betrieben und allgemein zu verfahren. Nur die Alten, Kranken und Schwachen wären zu isolieren. Man könnte sie in angemessenen Unterkünften beherbergen. Sie wären unter sich wie die Schulklassen und könnten so ihren Lebensabend genießen. Es darf sie halt nur niemand von außen besuchen. Das Personal unterstünde strengsten Hygienemaßnahmen. Der Sozialstaat könnte in Ruhe weitermachen. Und wir hätten das Problem gelöst. Wie sagte ein amerikanischer Senator sinngemäß: Ich würde mich eben opfern, bevor alles zusammenbricht.

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