Ob Bärwurz, Blutwurz oder Bergkäse – viele bayerische Spezialitäten sind Ausdruck regionaler Identität, handwerklicher Qualität und nachhaltiger Produktion. Doch die neue EU-Geoschutzverordnung (EU 2024/1143) sorgt bei zahlreichen kleinen und mittelständischen Betrieben derzeit für erhebliche Verunsicherung.
Was eigentlich dem Schutz regionaler Erzeugnisse dienen soll, droht für viele Betriebe zur Belastung zu werden: zusätzliche Dokumentationspflichten, aufwendige Kontrollen und wenig Spielraum für Produktentwicklung oder Innovation. Besonders traditionelle Brennereien wie Grassl in Berchtesgaden oder Penninger im Bayerischen Wald sehen ihre Arbeit und ihre regionale Verwurzelung gefährdet.
Mit einem aktuellen Antrag im Bayerischen Landtag fordert die Grünen-Fraktion deshalb: «Weniger Bürokratie – mehr Praxistauglichkeit bei der Umsetzung der EU-Geoschutzverordnung».
Mia Goller, Abgeordnete von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Mitglied im Landwirtschaftsausschuss, erklärt: «Der Schutz regionaler Spezialitäten ist richtig und wichtig. Aber er darf nicht dazu führen, dass kleine handwerkliche Betriebe unter Papierbergen zusammenbrechen. Gerade sie sind es, die unsere regionale Vielfalt, Qualität und Nachhaltigkeit täglich mit Leben füllen.»
Ziel des Antrags ist es, dass sich die Staatsregierung auf Bundesebene für eine praxisgerechte, verhältnismäßige und mittelstandsfreundliche Umsetzung der Verordnung einsetzt. Dabei geht es nicht um eine Aufweichung der Standards, sondern um faire Bedingungen, die handwerkliche Betriebe nicht gegenüber industriellen Herstellern benachteiligen.
«Regionale Erzeugnisse sind mehr als ein Wirtschaftsfaktor – sie stehen für gelebte Verantwortung gegenüber Natur, Kultur und Gemeinschaft. Wenn Bürokratie Innovation und Weiterentwicklung verhindert, schadet das am Ende auch der Nachhaltigkeit», betont Mia Goller.
Viele Betriebe im ländlichen Raum arbeiten mit regionalen Rohstoffen, kurzen Lieferketten und hohem Qualitätsbewusstsein. Diese Strukturen gilt es zu sichern und zu stärken – nicht durch immer neue Nachweise, sondern durch Vertrauen in die bewährte handwerkliche Praxis.
«Wir brauchen Regeln, die schützen, was wirklich zählt: Herkunft, Handwerk und Nachhaltigkeit. Dafür setze ich mich ein – für unsere bäuerlichen Familienbetriebe, für unsere regionale Genusskultur und für eine enkeltaugliche Zukunft auf dem Land», so Goller abschließend.
Hintergrund:
Die EU-Verordnung (EU) 2024/1143 ersetzt ab Mai 2025 die bisherigen Regelungen zum Schutz geografischer Angaben. Ziel ist es, regionale Marken europaweit zu stärken und Fälschungen zu verhindern. In der Praxis führen die neuen Anforderungen jedoch zu erheblichem bürokratischem Mehraufwand, insbesondere für kleine und mittelständische Betriebe.
Mit dem Antrag fordert die Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Staatsregierung auf, sich auf Bundesebene für verhältnismäßige, innovationsfreundliche und mittelstandsorientierte Regelungen einzusetzen – damit bayerische Spezialitäten auch künftig dort entstehen, wo sie zu Hause sind: in den Händen engagierter Menschen vor Ort.
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