Zum internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen macht die Grünen-Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger auf anhaltende Versorgungsdefizite in Niederbayern aufmerksam.
Die Abgeordnete aus dem Wahlkreis Rottal-Inn mahnt, dass Schutzangebote für Betroffene regional sehr unterschiedlich ausfallen und vielerorts nicht ausreichen. Schönberger schildert, dass die Situation im ländlichen Raum besonders schwierig ist: «Lange Wege, eingeschränkte Busverbindungen und das Fehlen anonymer Anlaufstellen erschweren es vielen Betroffenen, rasch Hilfe zu finden. Auch spezialisierte Beratungen sind oft nur in den größeren Städten angesiedelt. Dadurch hängt der Schutz in Niederbayern stärker vom Wohnort ab als in vielen anderen Regionen.»
Durch die Distanzen im ländlichen Raum und die geringe Dichte an Angeboten werde es Frauen schwer gemacht, sich kurzfristig in Sicherheit zu bringen oder umfassende Beratung in Anspruch zu nehmen.
Im Bundestag wurden zuletzt durch die Ampelregierung mit dem neuen Gewalthilfegesetz bundesweit wichtige Weichen gestellt. Es sieht unter anderem einen Anspruch auf Schutz und Beratung sowie eine dauerhafte Mitfinanzierung durch den Bund vor. Damit sollen Frauenhäuser und Fachberatungsstellen finanziell stabiler gestellt werden als bisher.
Für Niederbayern bedeute das Gesetz zwar eine Verbesserung des Rahmens, aber keine sofortige Entlastung, wie Schönberger erklärt: «Strukturen entstehen nicht über Nacht.» Entscheidend sei nun, dass Landkreise und Träger gemeinsam mit Bund und Land Ausbaupläne entwickeln.
Als zentrale Aufgaben für die Region nennt Schönberger unter anderem den Ausbau von Frauenhausplätzen und Übergangswohnungen sowie mobile Beratungsangebote, die auch kleinere Gemeinden regelmäßig erreichen. Ein weiterer Schwerpunkt sei der niedrigschwellige Zugang zu Hilfe: Anonyme Hotlines, digitale Beratungsformate und mehrsprachige Informationen könnten vor allem in strukturschwachen Gebieten Lücken schließen.
Unterstützung bekommt die Abgeordnete von Larissa Hausberger, Landratskandidatin aus dem Landkreis Rottal-Inn: «Gewalt gegen Frauen geschieht jeden Tag, auf der Straße am Arbeitsplatz oder digital. Der gefährlichste Ort aber ist das eigene Zuhause. Gewalt geschieht oft im Verborgenen, wird aus Scham oder Angst nicht gemeldet und bleibt damit häufig unentdeckt. Gerade in ländlichen Regionen, in denen Anonymität fehlt und Hilfsangebote weit entfernt sind, ist der Zugang zu Schutz für Betroffene noch schwieriger. Im Landkreis Rottal-Inn fehlt bis heute ein Frauenhaus, das diese Hilfe ermöglicht. Es braucht zusätzlich auch eine stärkere Sensibilisierung dafür, wie verbreitet Gewalt gegen Frauen tatsächlich ist und wie wichtig niedrigschwellige Wege aus der Gefahrensituation sind. Deshalb möchte ich ein Frauenhaus vor Ort umsetzen, besser vernetzte Beratungsangebote und klare finanzielle Unterstützung durch den Landkreis. Der Orange Day macht sichtbar: Wir müssen hinschauen, handeln und Schutzangebote verlässlich gestalten.»
Für Schönberger gehört der Ausbau des Gewaltschutzes zu einer breiter angelegten Debatte über gleichwertige Lebensverhältnisse. Wenn Frauen und Kinder in Krisensituationen im ländlichen Raum schlechter gestellt seien als in den Städten, sei das ein Hinweis auf strukturelle Schieflagen. «Darauf soll der heutige Orange Day aufmerksam machen», so die Abgeordnete abschließend.
«Unser ausdrücklicher Dank gilt allen Einrichtungen in Niederbayern, die jeden Tag unter oft schwierigen Bedingungen für den Schutz von Frauen kämpfen. Frauenhäuser, Fachberatungsstellen, Notruf- und Interventionsstellen leisten unermüdliche Arbeit, obwohl die finanziellen und personellen Ressourcen vielerorts knapp sind. Ihr Engagement, ihre Professionalität und ihre Menschlichkeit sind unverzichtbar für all jene, die dringend Hilfe brauchen. Diese Arbeit verdient nicht nur Anerkennung, sondern auch verlässliche Unterstützung.» so Schönberger und Hausberger in einer Pressemitteilung.
Image by Grüne-Rottal-Inn
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