Waldbegehung bei Eggenfelden: Austausch über Waldumbau, Jagd und europäische Rahmenbedingungen

2025-Waldgang

Der Wald steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Klimawandel, Trockenperioden und zunehmender Schädlingsdruck stellen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer vor große Herausforderungen. Bei einer gemeinsamen Waldbegehung in Gern diskutierten die Landtagsabgeordnete Mia Goller (Grüne), Bernhard Breitsameter, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbands, Klaus Urban, Träger der BN-Waldmedaille, MdEP Martin Häusling sowie zahlreiche Interessierte über die Zukunft der heimischen Wälder und die Rolle einer verantwortungsvollen Jagd.

Im Mittelpunkt stand der Waldumbau hin zu stabilen, klimaangepassten Mischwäldern. Beim Rundgang durch zwei Bestände wurde deutlich, welche Bedeutung ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wildbestand und Naturverjüngung hat. Klaus Urban erläuterte, wie gezieltes Wildtiermanagement, konsequente Pflege und die Auswahl geeigneter Baumarten zusammenwirken, um stabile Mischwälder zu entwickeln. Ziel sei ein widerstandsfähiger Wald, in dem junge Eichen, Buchen oder Tannen ohne flächendeckende Zäune aufwachsen können.

Bernhard Breitsameter unterstrich die zentrale Rolle der Jagd für den Erfolg des Waldumbaus: «In Zeiten des Klimawandels ist der Waldumbau die größte Herausforderung der Bayerischen Waldbesitzer. Hierbei spielt die Jagd eine entscheidende Rolle. Das zunehmende Bewusstsein für den Waldumbau bei Jägern und Waldbesitzern führt zu einer veränderten Bewertung der Jagd. Das Ergebnis sind diese beispielhaften Waldbilder, die wir heute gesehen haben.»

Mit Blick auf politische Rahmenbedingungen thematisierte Breitsameter auch die geplante EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Sie könne für kleinere Waldbesitzende erhebliche Belastungen mit sich bringen: «Die europäischen Bestrebungen zum Schutz vor einer Entwaldung, die es bei uns nicht gibt, bauen unnötige Bürokratie auf, die dem Kleinprivatwald den Marktzugang faktisch verwehren würde. Deshalb fordern wir die Einführung einer vierten Null-Risiko-Variante.»

Auch MdEP Martin Häusling hob die europäische Verantwortung für zukunftsfähige Waldpolitik hervor: «Wir brauchen ein europaweites Verständnis dafür, dass naturnahe, klimaangepasste Wälder Überlebensgrundlage sind – für sauberes Wasser, stabiles Klima und Artenvielfalt. Dazu gehören der Aufbau widerstandsfähiger Mischwälder und eine angepasste Bejagung, damit sich die Natur selbst regenerieren kann.»

Mia Goller betonte, wie wichtig es sei, den Wandel aktiv zu gestalten und auf Kooperation zu setzen. Klimastabilität, Naturschutz und wirtschaftliche Nutzung müssten zusammengedacht werden. Nur gemeinsam ließen sich zukunftsfähige Wälder erhalten. Für die Landwirtinnen und Landwirte müssen der Holzpreis und die Rahmenbedingungen passen, damit die Waldvorräte auch genutzt werden und junge Bäume hochkommen. «Im Landtag setze ich mich für die Holzbauförderung ein. Jeder Bau in öffentlicher Hand sollte aus Holz sein. Den Entwurf des neuen Jagdgesetzes sehe ich kritisch. Ich habe als Wald-Sprecherin der Grünen Fraktion noch nichts konkretes vorliegen aber was ich bisher vernommen habe, könnten die Erleichterungen bei den Abschussplänen in die falsche Richtung führen. Ein guter Austauch mit allen Jägern ist mir wichtig. Dazu braucht es aber keine Änderungen im Gesetz.»

Die Waldbegehung machte insgesamt deutlich, dass nachhaltige Forstwirtschaft und verantwortungsvolle Jagd Hand in Hand gehen müssen. Der Weg zu klimaresilienten Wäldern ist eine Generationenaufgabe – engagierte Waldbesitzer, fachliche Expertise und dialogbereite Politik schaffen dafür eine solide Basis.

Image by Mia Goller from Grüne Rottal-Inn

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